| Bemerkungen | Dokumentenabschrift: Lieber Herr v. Braunbehrens!
Vor fünf Tagen war ich zu einem Vortrag in der Bremer Volkshochschule.Ich tastete bei den vertretungsweise Leitenden vorsichtig vor, wie es mit der Besetzung des Postens stehe, stiess aber auf Nichtwissen. Um so lieber ist es mir, dass ich jetzt Ihren Situationsbericht habe. Ich gebe zu: der Fall ist kritisch. Gleichwohl höre ich nicht auf, für Sie zu hoffen. Unter keinen Umständen sich bei Nichterfüllung der Hoffnung niederdrücken lassen! Denken Sie an die armen Menschen der Ostzone, die insgesamt Ihre Situation paradiesisch finden!
Ich freue mich, dass Sie und Ihre liebe Frau gründliche Erholung hatten. Dass Amputationen fast nie ohne solche Nachwirkungen bleieben, ist mir wohlbekannt.
Ich selbst war in der Tat mit bestem Erfolg in Gastein; hielt auf dem Wege den bayrischen Unternehmerverbänden einen Vortrag mit interessanter Nachsitzung.
Die Frage meines Nachfolgers ist noch nicht entschieden. Bei mir verstärkt sich der Wunsch, von mancherlei Verpflichtungen losgebunden zu werden - obwohl ich über ein Nachlassen meiner Arbeitskraft einstweilen nicht klagen kann. Man soll aber auch nicht warten, bis die Kurve sich senkt! Brüssel habe ich mir geschenkt und bedauere es nach den mir zugekommenen Berichten ganz und gar nicht. Hamburg war interessant, aber nicht eigentlich ertragreich. Babylonisches Sprach- und Begriffsgewirr!
Sie wissen anscheinend noch nicht, dass ich zu Stegers Arbeit ein Geleitwort geschrieben habe. Hoffentlich kommt die Sache nun heraus.
Dass der Ausfall der Wahl eine kulturpolitische Reaktion von hahnebüchener Art zur Folge haben wird, scheint mir bombensicher. Die katholische Kirche wird ihren Gewinn realisieren, und die protestantische wird ihr brav nachfolgen. Ich bin froh, dass ich dem nur zuzuschauen habe. Wohlweislich habe ich den mir angebotenen Sitz in dem "Deutschen Ausschuss f. E. u. B." (man hatte mir sogar den Vorsitz zugedacht) trotz kräftigen Drängens von und Lehr abgelehnt.
Immerhin darf man sich durch diese Seite der Angelegenheit die Positiva des Wahlausfalls nicht aus dem Blick verdrängen lassen. Es ist eine sehr verzwickte Bilanz, wie so oft in der Politik.
Mit dem Befinden meiner Frau ist es besser geworden. Sie ist daheim und kann wieder den Haushalt führen, was ihr sichtlich gut tut.
Ihrem Trifolium herzliche Grüsse
von A., R. und Th. Litt; von: Litt an: Braunbehrens, Hermann von; Ort: Bonn |