| Bemerkungen | Dokumentenabschrift: Sehr verehrter Herr Professor Litt!
Sie haben mir freundlicherweise durch den Verlag Quelle und Meyer ein Exemplar Ihres Büchleins "Naturwissenschaft und Menschenbildung" zukommen lassen, wofür ich Ihnen herzlich danke. Von Ihren Ausführungen über die mathematische Naturwissenschaft habe ich mit Interesse Kenntnis genommen, leider aber habe ich in dem Werkchen nichts gefunden, was den durch Ihre Stellungnahme zur Biologie entstandenen Riss in unserer Schul- und Unterrichtskommission schliessen könnte. Es ist wirklich sehr schade, dass Sie auf der letzten Sitzung vom 19. April Ihren Standpunkt in dieser Hinsicht nicht dargelegt haben, sodass Ihre Einstellung zur Biologie erst durch Ihr Vortragsmanuskript und die Berichte über die von Ihnen veranstaltete Bonner Tagung vom 22. bis 25. April offenbar wurde.
Ihre in allen uns zugegangenen Mitteilungen enthaltene, also in weite Kreise gedrungene Äusserung, dass die Biologie mit Recht diffamiert sei, macht es bei allem Respekt vor Ihrer persönlichen Auffassung für die Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte praktisch unmöglich, Sie als Redner auf ihrer Schultagung herauszustellen. Es ist nicht nur meine persönliche Ansicht, vielmehr befinde ich mich dabei in Übereinstimmung mit allen biologisch interessierten Herren unserer Kommission.
Niemand wird diese Entwicklung mehr bedauern als ich, auf dessen Veranlassung seinerzeit die Wahl auf Sie fiel. Unsere Gesellschaft würde sich aber selbst aufgeben, wenn sie Ihre These als die Ihre anerkennen würde.
Ich bin am Mittwoch Abend, dem 2. Juli ab 20.30 Uhr auf der Universitätssternwarte in Bonn. Sollten Sie mich vorher noch einmal persönlich sprechen wollen, so bitte ich um freundliche telegrafische Nachricht.
Mit den besten Grüssen
Ihr sehr ergebener
gez. Hörlein; von: Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, Geschäftsstelle: Prof. Hörlein an: Litt; Ort: Wuppertal-Elbersfeld |